Kaninchenseuchen und Impfungen
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Keine Erkrankung ist für Kaninchen so tödlich wie die klassischen Kaninchen-Seuchen RHD, RHD2 und Myxomatose. Die Mortalität dieser Erkrankungen ist mit bis zu 100% wahnsinnig hoch, die Inkubationszeit kurz und die Übertragungswege vielfältig. Kurzum, als Mensch hat man keinen Handlungsspielraum mehr, wenn die Tiere erstmal erkrankt sind.
Genau deshalb sind Impfungen bei Kaninchen keine nette Zusatzleistung, sondern eine wichtige Verantwortung. Nicht nur für Außenkaninchen. Nicht nur im Frühjahr. Nicht nur, „wenn gerade etwas rumgeht“. Sondern für jedes Kaninchen, das eine realistische Chance auf Schutz haben soll vor diesen grausamen Seuchen. Diese Worte lesen sich hier so einfach, wenn man die Realität dieser Seuchen auch nur erahnen kann, weiß man aber, dass es wirklich die Hölle auf Erden für die Kaninchen und Kaninchenhalter bedeutet, wenn die Tiere daran erkranken.
Die wichtigsten Impfziele bei Kaninchen sind der Schutz gegen Myxomatose, RHD1 und RHD2. Die Impfungen sind hier so wahnsinnig wichtig, weil es bei erkrankten ungeimpften Tieren in der Regel keinerlei Behandlungsmöglichkeit mehr gibt, um den Tod zu verhindern und eine präventive Impfung der entscheidende (und einzige wirkliche) Schutz ist. Daher gibt es im Folgenden nun mehr Informationen dazu.
Impfung für alle
Kurz vorab: Alle Kaninchen sollten geimpft werden. Wenn ihr das Lesen überspringen möchtet, weil „meine Mümmler ja drinnen wohnen“ oder „schon alt oder krank sind“ – lest bitte weiter.
Warum Seuchenschutz auch Wohnungskaninchen betrifft
Der gefährlichste Irrtum lautet: „Meine leben drinnen, die brauchen das nicht.“ Diesen Satz hört man sogar von manchen unerfahrenen Tierärzten!
Da sich die Viren aber über nahezu ALLES einschleppen lassen, ist das eine Farce. Auch Kaninchen in Innenhaltung bekommen Frischfutter, Heu und Einstreu von draußen. Auch hier kann man Stechmücken, Fliegen, andere Insekten und Parasiten und wir selbst als Mensch, der mit ihnen lebt Viren an unseren Schuhen und Händen nie ausschließen. Alle das sind mögliche und klassische Übertragungswege. Unsichtbar und unbemerkt kann man sich so die Seuchen ins Haus holen.
Hygiene ersetzt hier keine Impfung. Fliegengitter, keine Schuhe im Kaninchenbereich, Quarantäne neuer Tiere, Vorsicht bei Wiesenfutter und keine Kontakte zu fremden Kaninchen sind sinnvoll. Aber sie sind Zusatzschutz – nicht der Schutz selbst, denn alle Faktoren (wie z.B. das Frischfutter und Heu) kann man niemals zu 100% kontrollieren.
Kranke Kaninchen
Ein akut krankes Kaninchen wird natürlich nicht einfach routinemäßig geimpft. Wenn ein Tier gerade eine schwere Verdauungsstörung, Atemnot, Fieber, eine große Operation, eine frische Verletzung oder einen instabilen Allgemeinzustand hat, muss natürlich erst die akute Baustelle geklärt werden und ausheilen. Bei regelmäßig geimpften Kaninchen ist das Terminieren hier viel angenehmer, da die Impfung natürlich nie exakt taggenau stattfinden kann und kein Schutz sofort nach der Wirkdauert verschwindet. Zur Not kann man also eine Erkrankung erstmal behandeln, ohne dass das Kaninchen in dieser Zeit direkt ungeschützt ist.
Bei Neuaufnahmen von Notfellchen macht es übrigens Sinn vor der evtl. nötigen Kastration und auch vor dem Ergebnis der Kotuntersuchung zu impfen. Bei den Seuchen rennt oft die Zeit. Sollten sich hinterher doch Kokzidien o.ä. herausstellen, kann man immer noch boostern, um den Schutz abzusichern.
Chronisch kranke Kaninchen
Chronisch kranke Tiere, die aber stabil sind, können in der Regel gut geimpft werden. Viele chronisch kranke, ältere oder empfindliche Kaninchen brauchen Seuchenschutz sogar besonders dringend. Hier entscheidet eine kaninchenkundige Tierarztpraxis individuell: Wie stabil ist das Tier? Welche Erkrankung liegt vor? Wie hoch ist das regionale Risiko? Welcher Impfstoff passt? Welches Intervall ist sinnvoll? Wie hat das Tier vorherige Impfungen vertragen?
Sehr junge Tiere
Sehr junge Kaninchen sind nicht automatisch „zu jung, um überhaupt geschützt zu werden“. Es gibt Impfstoffe, die bereits früh eingesetzt werden können: Yurvac und Filavac sind laut Produktinformationen/StIKo-Vet-Tabelle ab 30 Lebenstagen angegeben; Nobivac Myxo-RHD Plus ab 5 Wochen. Bei Nobivac wird allerdings darauf hingewiesen, dass hohe maternale Antikörper die Wirksamkeit reduzieren können und bei entsprechendem Verdacht eine Impfung ab 7 Wochen für die volle Schutzdauer empfohlen wird. Auch sollte man bei Jungtieren den Schutz, der durch die Mutter mitgegeben wird und die Dauer, die der Impfstoff braucht, um einen eigenen Schutz aufzubauen gut durchrechnen. Je nach Impfstoff und Impfzeitpunkt ergeben sich hier nämlich ggf. gefährliche Lücken im Schutz!
Gerade bei Jungtieren ist deshalb Fachwissen und ein kaninchenerfahrener Tierarzt besonders wichtig. Alter, Herkunft, Muttertier-Impfstatus, Seuchendruck und Impfstoff müssen zusammenpassen, um den sichersten Schutz für Jungtiere bereitzustellen.
Die relevanten Seuchen
Für Kaninchen gibt es verschiedene relevante Seuchen:
- RHD / Chinaseuche
- RHD2
- Hochvirulente neue RHD2-Stämme
- Myxomatose
- Hasenpest / Tularämie
RHD / Chinaseuche
RHD steht für Rabbit Haemorrhagic Disease, auf Deutsch hämorrhagische Kaninchenkrankheit. Viele Halter kennen sie noch unter dem alten Namen „Chinaseuche“. Es handelt sich um eine hochansteckende, durch Caliciviren verursachte Erkrankung, die weltweit verbreitet ist. Für Menschen und andere Haustiere ist RHD nicht gefährlich, für Kaninchen dagegen in aller Regel tödlich.
Viele Kaninchen zeigen vorher kaum erkennbare Symptome, wenn sie erkrankt sind und selbst wenn, gibt es keine echte Chance. Nicht selten findet man ein Tier einfach tot im Gehege. Möglich sind aber auch Apathie, Fieber, Atemnot, Appetitlosigkeit, Krämpfe, blutiger Ausfluss, blutiger Durchfall oder ein überstreckter Kopf. Die Inkubationszeit ist kurz; bei RHD werden häufig nur 24 bis 72 Stunden genannt. D.h. die Tiere erkranken nach dem Kontakt mit dem Virus sehr schnell und stecken in der Regel alle Gruppenmitglieder ebenfalls an, wodurch eine schreckliche Kettenreaktion entsteht.
Wichtig für Halter: RHD ist kein „Sommerproblem“ häufig grassiert dieser Mythos noch, paradoxerweise haben gerade die RHD-Seuchen im Herbst und Winter nochmal eine absolute Hochphase, sind aber das ganze Jahr mehr oder weniger präsent. Sicher ist man davor nie! Der Erreger ist widerstandsfähig, überlebt monatelang bei einem hohen Temperaturspektrum.
Übertragen wird das RHD Virus natürlich von Kaninchen zu Kaninchen direkt, aber auch Stechmücken, Fliegen, alle anderen Insekten und Parasiten sowie Kontakt mit Futter, Einstreu und Heu gelten als klassische Übertragungswege. Wir als Mensch sind durch indirekten Kontakt (Schuhe, Hände, Kleidung) ebenfalls ein Übertragungsweg des Virus.
RHD2
RHD2 ist eine mutierte Variante des RHD-Virus, und für die heutige Kaninchenhaltung besonders relevant. RHD2 wurde 2010 in Frankreich beschrieben und hat sich später auch in Deutschland verbreitet. Mittlerweile wird RHD2 ebenfalls sehr häufig bei untersuchten verstorbenen Tieren als Todesursache nachgewiesen.
RHD2 ist auch deshalb so gefährlich, weil die Erkrankung NOCH schneller verläuft. Bereits 12-24h nach Kontakt mit dem Virus kann es zu Todesfällen kommen. Ebenfalls ist die Ansteckungsrate extrem hoch und die Sterbensrate bei ungeimpften Kaninchen bei nahezu 100%. Bei RHD2 können – anders als bei klassischem RHD1 – auch sehr junge Kaninchen schwer erkranken.
Durch den rasanten Verlauf treten häufig keine Symptome auf bzw. man hat keine Zeit diese zu entdecken und zu interpretieren, man findet die Langohren oft einfach verstorben. Innerhalb von Stunden wird ein topfittes Kaninchen, das frisst und herumspringt ein sterbenskrankes. Ggf. erkennt man Apathie, Fieber und Inappetenz. Auch hier gibt es keine Behandlungsmöglichkeit mehr, sobald das Kaninchen erkrankt ist.
Für die Impfkontrolle ist deshalb ein Satz entscheidend:
„RHD geimpft“ reicht nicht. Es muss RHD1 und RHD2 abgedeckt sein. Und zwar richtig! RHD2 ist der größte Fallstrick bei den Kaninchenimpfungen. Final war das der Grund für unseren Impfguide.
Alte, unvollständige Impfungen, falsch umgestellte Impfschemata - sind kein ausreichender Schutz gegen RHD2.
Auch hier ist das Virus sehr widerstandsfähig und die potenziellen Übertragungswege identisch zum RHD-Virus.
Hochvirulente neue RHD2-Stämme
In den letzten Jahren wurde besonders über hochvirulente RHD2-Varianten aus Frankreich diskutiert.
Das Friedrich-Loeffler-Institut veröffentlichte am 13. Juni 2025, dass es bis dahin keinen Nachweis dafür gab, dass die in Frankreich beschriebenen hypervirulenten RHD2-Varianten bei Kaninchen und Hasen in Deutschland verbreitet sind. Gleichzeitig bleibt das FLI wachsam und empfiehlt bei begründetem Verdacht – etwa mehreren Todesfällen trotz lückenloser Impfgeschichte – eine labordiagnostische Abklärung.
Für alle Halter, die es bereits jetzt auf dem Schirm haben möchten und besonders in Regionen mit Nähe zu Frankreich, Belgien oder bekannten Ausbruchsgeschehen sollte mit einer wirklich kaninchenkundigen Praxis besprochen werden, ob das normale Impfschema ausreicht oder ob ein angepasster RHD-Schutz sinnvoll ist. Der Impfstoff Yurvac nennt in der Produktinformation ausdrücklich den Schutz gegen klassische RHD- und RHD2-Varianten einschließlich hochvirulenter Stämme.
Myxomatose
Myxomatose ist eine virale Erkrankung, die viele Halter sofort mit zugeschwollenen Augen verbinden – das sieht man leider häufig bei betroffenen Wildkaninchen. Da die Kaninchenpest zu den Pockenerkrankungen gehört sind geschwollene und gerötete Augenlider, Schwellungen im Kopf- und Genitalbereich, Knötchen, Krusten, eitriger Ausfluss, Fieber, Mattigkeit und Fressunlust typisch. Ungeimpfte Tiere sterben häufig. Die Mortalität wird bei Myxomatose mit 80-100% angegeben. Geimpfte Tiere können trotzdem erkranken, dies geschieht sehr selten und wenn, haben die Kaninchen deutlich bessere Chancen und meist merklich mildere Verläufe.
Übertragen wird Myxomatose vor allem über blutsaugende Insekten wie Stechmücken, aber auch über direkten Kontakt, Parasiten, kontaminiertes Futter und den Menschen als mechanischen Überträger. Deshalb schützt auch hier reine Wohnungshaltung nicht zuverlässig.
Wichtig: Myxomatose ist oft stärker an die Insektensaison und an Stechmücken als Überträger gekoppelt als RHD. Trotzdem ist auch hier ein sauberer, rechtzeitiger Impfschutz nötig! Durch die längere Inkubationszeit (bis zu 10 Tage) und das schleichende Verschlimmern der Symptome ist die Erkrankungszeit deutlich länger als bei RHD, bei denen der Tod sehr schnell eintritt, aber nicht weniger qualvoll für die Kaninchen.
Hasenpest / Tularämie
Da die Kaninchenpest (Myxomatose) häufig mit der Hasenpest, medizinisch Tularämie, verwechselt wird, möchte ich sie hier auch kurz aufführen. Auch diese Erkrankung ist in Deutschland jährlich präsent. Sie ist anders einzuordnen als RHD und Myxomatose. Tularämie ist eine bakterielle Erkrankung, kein Virus wie RHD und Myxo und anders als diese kaninchenspezifischen Seuchen eine Zoonose! Das heißt, eine Übertragung von anderen Säugetieren aufs Kaninchen aber auch von erkrankten Kaninchen auf uns Menschen oder andere Haustiere wie Hunde und Katzen sind möglich.
Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Francisella tularensis. Der Erreger kann in Umweltmaterial wie Erde, Schlamm oder Wasser Wochen bis Monate überleben. Menschen infizieren sich vor allem durch engen Kontakt mit erkrankten Wildtieren, deren Ausscheidungen oder Kadavern, aber auch Zecken, infektiöse Stäube, Bissverletzungen, kontaminiertes Wasser oder unzureichend erhitzte Lebensmittel kommen als Wege infrage. Besonders gefährdet sind z.B. Jäger und deren Hunde.
Bei Hasen, Kaninchen und Nagern sind schwere seuchenhafte Verläufe mit hoher Sterblichkeit bekannt. Erkrankte Tiere können abmagern, struppiges Fell, schwankenden Gang und Apathie zeigen und durch Entkräftung ihre natürliche Scheu verlieren. Beim Menschen beginnt die Erkrankung oft grippeähnlich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und kann je nach Eintrittspforte Lymphknoten, Haut, Augen, Lunge, Darm oder den ganzen Körper betreffen; eine rechtzeitige antibiotische Behandlung ist gut möglich.
Für Halter heißt das: Tote oder auffällig kranke Wildkaninchen und Feldhasen nicht anfassen. In betroffenen Gebieten keine Wiese sammeln! Bei Kontakt: Hände waschen, Kleidung wechseln, bei Verletzungen oder Symptomen ärztlich abklären lassen. Beim eigenen Kaninchen mit plötzlicher schwerer Erkrankung, Apathie, Fieber oder auffälliger Schwäche gilt ohnehin: sofort in eine kaninchenkundige Praxis. Eine präventive Impfung ist hier nicht möglich.
Impfstoffe
Es gibt nicht „die Kaninchenimpfung“. Entscheidend ist immer: Welcher Impfstoff wurde gegeben – und gegen welche Erreger schützt er tatsächlich? Bitte hier unbedingt 2x hinsehen und mit Vorwissen interpretieren.
Nobivac Myxo-RHD Plus
Nobivac Myxo-RHD Plus schützt gegen Myxomatose, RHD1 und RHD2. Laut Produktinformation kann er ab einem Alter von 5 Wochen eingesetzt werden; der Impfschutz beginnt nach etwa 3 Wochen und hält 1 Jahr.
Hier steckt aber ein wichtiger Fallstrick im Detail (aka Beipackzettel): Wenn ein Kaninchen zuvor mit einem Myxomatose-Monovakzin geimpft wurde, eine natürliche Myxomatose-Infektion hatte oder die vorhergegangene Impfung deutlich über die angegebene Wirkzeit überschritten ist, können noch vorhandene Myxomatose-Antikörper die Impfviren beeinträchtigen. Dann kann die RHD-Immunantwort unzureichend sein. Die StIKo Vet und die Herstellerinformation weisen genau auf dieses Problem hin. D.h. trotz Impfung mit Nobivac Myxo-RHD PLUS baut sich dann unter Umständen KEIN zuverlässiger Schutz gegen RHD und RHD2 auf. In solchen Fällen sollte eine zusätzliche RHD1/RHD2-Impfung mit der Tierarztpraxis besprochen werden.
Übersetzt: Nobivac Plus ist ein sehr praktischer Kombinationsimpfstoff – aber er muss richtig eingesetzt werden. Extrem viele Halter und Tierärzte haben genau dieses Detail leider nicht auf dem Schirm, dabei ist es so extrem wichtig für die Kaninchen!
Man wähnt sich in Sicherheit, immerhin war man ja beim Impfen, und dennoch kann es unter Umständen sein, dass das Kaninchen gar keinen Impfschutz hat.
Besonders beachten sollte man diesen Fakt wenn: Man nicht die gesamte Lebensgeschichte des Kaninchens kennt oder rekonstruieren kann inkl. aller Impfungen und Impfdaten. Für Fundtiere, Kaninchen unbekannter Herkunft usw. ist dieser Impfstoff folglich nie ein alleiniger ausreichender Schutz.
Filavac VHD K C+V
Filavac schützt gegen RHD1 und RHD2, aber nicht gegen Myxomatose. Laut StIKo-Vet-Tabelle ist eine Impfung ab 10 Wochen vorgesehen; man kann aber bereits in der 4. Lebenswoche impfen und in der 6. Lebenswoche boostern. Der Impfschutz beginnt nach etwa 1 Woche und hält 1 Jahr (lt. Zulassung, bei hohem Seuchendruck wird ggf. eine Nachimpfung nach bereits 6 Monaten empfohlen).
Filavac ist deshalb besonders relevant, wenn RHD1/RHD2 gezielt abgesichert werden sollen, zum Beispiel bei unklarer Impfgeschichte, bei Wechsel des Impfschemas oder in Kombination mit einem separaten Myxomatose-Schutz. Filavac gilt als gut verträglich.
Yurvac RHD
Yurvac schützt gegen klassische RHD-Stämme und RHD2-Varianten, laut Produktinformation einschließlich hochvirulenter Stämme. Er kann ab 30 Lebenstagen eingesetzt werden. Die Immunität beginnt laut Fachinformation nach 7 Tagen gegen RHD2 und nach 14 Tagen gegen klassische RHD-Stämme; die Schutzdauer beträgt 1 Jahr.
Wichtig: Yurvac schützt nicht gegen Myxomatose. Wer Yurvac verwendet, braucht also zusätzlich einen passenden Myxomatose-Schutz. Der Impfschutz wird ab und zu im Zusammenhang mit Nebenwirkungen mit Mattheit gesehen.
Rika-VACC Myxo s.c.
Es gibt einen klassischen Impfstoff, der rein gegen Myxomatose hilft und klassischerweise eingesetzt wird, wenn man Yurvac oder Filavac zum Abdecken der RHD-Varianten nutzt.
Rika-VACC Myxo s.c. kann ab der 4. Woche eingesetzt werden, sollte bei früher verimpfung aber auf jeden Fall nach 6 Wochen geboostert werden. Ebenso in sehr aktiven Virusgebieten - das gilt dann für jedes Alter bei der Erstimpfung mit Rika-Vacc-Myxo. Die Immunität setzt bereits nach 5 Tagen ein und erhält 6 Monate einen Schutz aufrecht.
Notimpfungen
Was tun, wenn man den ernsten Verdacht hat, dass mind. Eines der eigenen Kaninchen an einer Seuche erkrankt ist? Kann ich jetzt noch impfen, um eventuell die anderen Tiere noch zu retten?
Diese Frage stellt sich natürlich immer mal bei akut betroffenen und ist eine sehr individuelle Entscheidung. Die Ansteckung ist untereinander bei Tieren im selben Haushalt natürlich wahrscheinlich, selbst die flottesten Impfstoffe brauchen 7 Tage zum vollen Impfschutzaufbau, zeitgleich ist die Inkubationszeit besonders bei RHD mit 12-48h unfassbar kurz. Dennoch KANN schnelles Handeln sinnvoll sein. Die Tiere müssen sofort aus dem betroffenen Virusgebiet genommen werden und alles weitere so schnell wie irgendmöglich mit einem Tierarzt besprochen werden.
FAQ - Impfen
Wann impfen?
Nicht „nur“ im Frühjahr!
Frühjahr ist ein sinnvoller Zeitpunkt, weil die Insektensaison beginnt und viele Halter wieder mehr Wiese füttern. Wenn es sich ergibt – fein. Viel wichtiger ist aber, dass die Tiere zu jeder Zeit geschützt sind.
Kaninchen können und sollen ganzjährig geimpft werden, und Tiere ohne aktuellen Schutz sollten so schnell wie möglich geimpft werden, egal welche Jahreszeit wir gerade haben.
Praktisch heißt das:
Ein ungeimpftes Kaninchen im Oktober wartet nicht bis April. Ein Fundtier im Dezember wartet nicht „bis zur Saison“ und wenn ihr sonst immer im Herbst impfen seid, dann ist das Einhalten der Wirkdauer der Impfstoffe viel wichtiger, als ein Datum im Kalender. Super krasse Hitze zu den Hundstagen oder klirrende Kälte im Winter kann evtl. durch das Ausschöpfen der „Pufferzeiten“ der Impfstoffe umgangen werden.
In welchen Regionen impfen?
In Deutschland: alle Regionen.
RHD2 ist in Deutschland verbreitet; das FLI weist darauf hin, dass Fälle nicht zentral erfasst werden (RHD ist nicht meldepflichtig) und deshalb keine verlässliche Gesamtzahl existiert. Gerade das macht Abwarten so gefährlich: Nur weil man lokal nichts hört, heißt das nicht, dass nichts passiert. Gerade weil die Tiere so plötzlich und ohne Krankheitssymptome versterben gehen viele Halter davon aus, dass die Kaninchen „einfach so“ verstorben sind. Für einen Tierarztbesuch war es ja ohnehin zu spät und zur Untersuchung einer Veterinäranstalt werden die wenigstens Privattiere gebracht.
Besonders aufmerksam sollte man in Regionen mit Nähe zu Frankreich oder Belgien sein, weil dort die Diskussion um hochvirulente RHD2-Varianten eine größere Rolle spielt. Für Deutschland meldete das FLI im Juni 2025 zwar keinen Nachweis einer verbreiteten Ausbreitung dieser französischen hypervirulenten Varianten, aber bei ungeklärten Todesfällen trotz sauberer Impfung sollte diagnostisch nachgefasst werden.
Kann jeder Tierarzt Kaninchen impfen?
Formal kann eine Tierarztpraxis impfen. Praktisch ist die bessere Frage: Kennt sich die Praxis mit Kaninchenimpfstoffen wirklich aus?
Bei Kaninchen reicht es nicht, irgendeinen Impfstoff zu wählen. Wichtig ist:
- ob RHD2 abgedeckt ist,
- ob Myxomatose abgedeckt ist,
- ob Nobivac Plus bei vorbestehenden Myxomatose-Antikörpern problematisch sein kann (Impfhistorie!)
- welches Mindestalter gilt,
- wann der Schutz einsetzt,
- wie lange der Schutz hält,
- ob bei unklarer Vorgeschichte spezielle Impfstoffwahl für RHD1/RHD2 sinnvoll ist,
- ob der Impfstoff korrekt gelagert und rechtzeitig verbraucht wurde (besonders bei Sammelimpfungen!)
Gerade diese Fallstricke stehen nicht fett auf jedem Impffläschchen, sondern in Fachinformationen und Beipackzetteln, ganz klein und nicht wirklich eindeutig formuliert.
Bitte keine Ausreden akzeptieren wie:
„Wohnungskaninchen brauchen das nicht.“
„RHD2 gibt es hier nicht.“
„Wir impfen Kaninchen nur im Frühjahr.“
„Für ein einzelnes Kaninchen lohnt sich das nicht.“
„Die Nachfrage ist zu klein, wir haben diesen Impfstoff nicht!
„Den Impfstoff gibt es nur in großen Gebinden, für Ihre zwei Kaninchen lohnt sich das nicht“
Was so einfach erscheint, ist bei Kaninchen also – wieder einmal – kompliziert, aber bei einem so wichtigen Thema lohnt es sich, sich Wissen anzueignen und die Impfungen wirklich ernst zu nehmen.
Auch das Argument mit den Mehrdosenflaschen ist nicht grundsätzlich haltbar. Nobivac Myxo-RHD Plus hat Ein-Dosen-Behältnisse beziehungsweise entsprechende Packungsgrößen; Yurvac & Filavac sind ebenfalls mit Ein-Dosen-Fläschchen erhältlich. Die konkrete Lieferbarkeit kann variieren, aber „geht grundsätzlich nicht“ ist keine saubere fachliche Antwort, sondern oft eine schnelle Ausrede.
Wenn eine Praxis Kaninchenimpfungen nicht aktuell und vollständig anbieten kann – dann sucht eine kaninchenkundige Heimtierpraxis für das Wohl der Mümmler.
Ist mein Kaninchen richtig geimpft?
Zur Unterstützung könnt ihr gerne unseren Impfguide verwenden.
1. Wann war die letzte Impfung?
Steht dort ein aktuelles Datum? Ist die nächste Impfung fällig oder bereits überfällig? (Wirksamkeitsdauern kannst du oben bei den jeweiligen Impfstoffen nachlesen).
2. Welcher Impfstoff wurde verwendet?
Der Produktname ist entscheidend. Im Impfpass sollte ein Aufkleber oder Eintrag mit Impfstoffname, Charge und Datum stehen. Wichtig ist, dass wirklich all diese Angaben gemacht sind. Ohne Haltbarkeitsdatum und Charge ist es leider „fraglich“ wie sicher die Impfung dann auch tatsächlich ist.
Achtung, in ganz wilden Fällen wurden Kaninchen auch schon Hunde- oder Katzenimpfstoffe injiziert.
3. Gegen welche Seuchen schützt dieser Impfstoff?
Prüfe konkret:
- Myxomatose
- RHD1
- RHD2
Erst wenn alle drei sauber abgedeckt sind, sprechen wir von einem vollständigen Grundschutz gegen die relevanten Standard-Seuchen.
4. Ist die Vorgeschichte bekannt?
Das ist besonders wichtig bei Fundtieren, Tieren aus schlechter Haltung, Tieren mit vielen Vorbesitzern, ungeordneten Impfpass-Einträgen oder angeblichen Impfungen ohne Nachweis. Ebenso wichtig hier: waren alle Impfungen immer pünktlich aufgefrischt oder gab es Lücken?
Bei RHD sind genau diese Faktoren alles andere als harmlos, sondern ganz entscheidend für den Impfschutz! Sie kann besonders beim Wechsel auf Nobivac Myxo-RHD Plus wichtig sein, weil frühere Myxomatose-Monovakzine, reine Myxo und RHD1-Kombinationen, überfällige Impfungen oder eine natürliche Myxomatose-Infektion die RHD-Immunantwort beeinträchtigen können. StIKo Vet und Herstellerinformation weisen darauf hin!
5. War das Tier zum Impfzeitpunkt impffähig?
Ein Kaninchen, das gerade krank, Parasiten hatte, massiv gestresst oder frisch operiert ist, bildet möglicherweise keinen optimalen Schutz aus. Deshalb sind Allgemeinuntersuchung die Kotproben ebenfalls immer wichtig im Zuge einer Impfung.
6. War der Impfstoff korrekt gelagert und noch haltbar?
Das lässt sich als Halter nicht immer vollständig überprüfen, aber man darf und sollte fragen, besonders wenn etwas merkwürdig wirkt. Impfstoffe müssen nach Herstellerangaben gelagert werden; Nobivac zum Beispiel bei 2–8 °C, nicht eingefroren, lichtgeschützt und nach Rekonstitution nur begrenzt verwendbar. Yurvac nennt ebenfalls Lagerung bei 2–8 °C, kein Einfrieren und begrenzte Verwendbarkeit nach dem Öffnen.
Eine korrekt dokumentierte Impfung enthält mindestens Datum, Impfstoff, Charge und Praxisstempel. Bei Zweifeln: nachfragen. Es lohnt sich immer das „zu verwenden bis“-Datum auf dem Impfsticker zu checken. Leider kommt es immer mal wieder vor, dass abgelaufene Impfungen injiziert wurden!
Was kann ich zusätzlich tun?
Impfung zuerst. Danach kommt Risikoreduktion.
Sinnvoll sind:
- neue Kaninchen mindestens 14 Tage getrennt halten,
- keine Kontakte zu Wildkaninchen ermöglichen,
- Fliegengitter und Insektenschutz nutzen,
- Transportboxen und Gehegezubehör sauber halten (z.B. nach Transporten in der Öffentlichkeit, Neuanschaffungen usw.)
- Wiesenfutter mit gesundem Menschenverstand sammeln,
- tote Wildtiere nicht anfassen oder in deren Gebiet Futter sammeln,
- nach Kontakt zu fremden Kaninchen Kleidung und Hände reinigen,
- bei plötzlichem Todesfall keine weiteren Tiere „einfach dazusetzen“, sondern tierärztlich und hygienisch sauber vorgehen.
Was ist ein sinnvolles Impfschema?
Ein sinnvolles Impfschema:
Für viele Tiere kann ein Kombinationsimpfstoff wie Nobivac Myxo-RHD Plus eine praktische jährliche Lösung sein, weil er Myxomatose, RHD 1 und RHD 2 abdeckt. Aber wegen der genannten Besonderheiten ist er nicht mit jeder Vorgeschichte automatisch die perfekte Ein-Schuss-Lösung und besonders bei der Umstellung auf diesen Impfstoff gibt es wichtige Punkte zu beachten. Ebenfalls ist Nobivac PLUS anspruchsvoll im Timing, es darf weder deutlich früher als nach 12 Monaten noch zu spät nach dieser Zeit aufgefrischt werden.
Eine Kombination aus Nobivac Myxo-RHD Plus und Filavac oder Yurvac, zeitlich um etwa 6 Monate versetzt, um den RHD2-Schutz in Risikosituationen enger zu halten kann sinnvoll sein. Ebenfalls können die reinen RHD 1 + 2 Impfstoffe mit RikaVacc-Myxo kombiniert werden, wenn man immer einen nativen Impfstoff gegen die RHD-Varianten im Einsatz haben möchte.
Fazit
Keine Ausreden beim Thema Seuchen, wenn ihr nicht irgendwann böse überrascht werden wollt. Impfpass prüfen, da teilweise auch gute Tierärzte nicht alle Fallstricke der Impfungen kennen.
Kaninchenhalter müssen nicht alles selbst können. Aber sie müssen wissen, wann sie nachhaken müssen – das ist nicht neu für uns und betrifft viele Themen rund ums Kaninchen und die Kaninchengesundheit.
Ein Kaninchen ist nicht ausreichend geschützt, nur weil irgendwo ein Impfaufkleber im Pass klebt. Es muss klar sein, wann geimpft wurde, womit geimpft wurde, gegen was dieser Impfstoff schützt und ob die Vorgeschichte des Tieres dabei berücksichtigt wurde.
Myxomatose, RHD 1 und RHD 2 sind keine theoretischen Risiken. Sie sind real, schnell und so gut wie immer tödlich. Hasenpest ist zusätzlich als Zoonose wichtig, vor allem im Umgang mit Wildtieren und beim Pflücken.